Zwei Grundformen: primär und sekundär
Ärzte unterscheiden zwei Grundformen des Bluthochdrucks, die sich in ihren Ursachen grundlegend unterscheiden:
Primäre (essentielle) Hypertonie — etwa 90 % der Fälle
Bei der großen Mehrheit der Betroffenen lässt sich keine einzelne, klar identifizierbare Ursache feststellen. Der Bluthochdruck entsteht vielmehr durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren — darunter genetische Veranlagung, Lebensstil und Alterungsprozesse der Gefäße. Diese Form entwickelt sich schleichend und wird häufig erst im mittleren Lebensalter entdeckt.
Sekundäre Hypertonie — etwa 10 % der Fälle
Hier liegt eine erkennbare Grunderkrankung vor, die den Bluthochdruck verursacht. Dazu gehören Nierenerkrankungen, Hormonstörungen (etwa der Schilddrüse oder Nebennieren), Verengungen der Nierenarterie oder das Schlafapnoesyndrom. Ein wichtiger Unterschied: Wird die Grunderkrankung behandelt, kann sich auch der Blutdruck normalisieren.
ℹ Gut zu wissen
Bei jüngeren Patienten unter 40 Jahren mit deutlich erhöhtem Blutdruck wird häufiger eine sekundäre Ursache vermutet. Eine sorgfältige Diagnostik ist hier besonders wichtig.
Risikofaktoren — was den Blutdruck steigen lässt
Ob der Blutdruck steigt, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Einige davon lassen sich aktiv beeinflussen, andere nicht.
Beeinflussbare Risikofaktoren
Bis zu 40 % des Blutdruckanstiegs hängen mit zusätzlichem Körpergewicht zusammen. Besonders Bauchfett setzt entzündungsfördernde Substanzen frei, die den Blutdruck zusätzlich erhöhen. Schon eine Gewichtsabnahme von 4–5 kg kann den Blutdruck messbar senken.
Etwa die Hälfte aller Hypertonie-Patienten ist salzempfindlich. Die Einsparung von 5 g Salz pro Tag kann den systolischen Blutdruck um 6–8 mmHg und den diastolischen um 3 mmHg senken. Besonders in Fertigprodukten und Brot steckt viel verstecktes Salz.
Regelmäßiges Ausdauertraining (mindestens 150 Minuten pro Woche) stärkt das Herz, verbessert die Gefäßelastizität und kann den Blutdruck um 5–9 mmHg senken. Bereits 30 Minuten tägliches Gehen machen einen Unterschied.
Dauerstress hält das Herz-Kreislauf-System in ständiger Alarmbereitschaft: Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin treiben den Blutdruck hoch. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können gegensteuern.
Übermäßiger Alkoholkonsum kann den Blutdruck erhöhen. Schon die Reduktion auf maximal ein Standardglas pro Tag bringt eine Senkung von 4–7 mmHg. Rauchen schädigt zusätzlich die Gefäßwände und verstärkt die Arteriosklerose.
Fettreiche, salzhaltige und stark verarbeitete Lebensmittel begünstigen Bluthochdruck. Eine Umstellung auf die DASH-Diät (viel Gemüse, Obst, Vollkorn, wenig Salz und Fett) kann den Blutdruck deutlich positiv beeinflussen.
Nicht beeinflussbare Risikofaktoren
Wenn Eltern oder nahe Verwandte an Bluthochdruck leiden, ist das eigene Risiko deutlich erhöht. Die familiäre Veranlagung lässt sich nicht ändern — aber umso wichtiger ist ein gesunder Lebensstil, um ihr entgegenzuwirken.
Mit zunehmendem Alter verlieren die Blutgefäße an Elastizität, was den Blutdruck steigen lässt. Ab 60 Jahren ist über die Hälfte aller Menschen in Deutschland von Bluthochdruck betroffen.
Männer entwickeln häufiger und früher Bluthochdruck. Bei Frauen steigt das Risiko nach den Wechseljahren an, wenn der schützende Effekt der Östrogene nachlässt.
✓ Positive Nachricht
Die Mehrzahl der Risikofaktoren lässt sich durch Anpassungen im Lebensstil positiv beeinflussen. Bei rund einem Viertel der Betroffenen mit leichtem Bluthochdruck reichen diese Maßnahmen bereits aus, um die Werte zu normalisieren. Mehr dazu: Blutdruck natürlich senken →
Medikamente als Ursache für Bluthochdruck
Ein oft übersehener Faktor: Bestimmte Medikamente, die wegen anderer Beschwerden eingenommen werden, können den Blutdruck als Nebenwirkung erhöhen. Dazu gehören insbesondere nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAR) wie Ibuprofen, bestimmte Antidepressiva, Kortison-Präparate, hormonelle Verhütungsmittel und abschwellende Nasensprays bei Dauergebrauch.
Wenn Sie an Bluthochdruck leiden und regelmäßig andere Medikamente einnehmen, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, ob eines davon den Blutdruck beeinflusst — und ob verträglichere Alternativen existieren.
Bluthochdruck in besonderen Lebenssituationen
Bluthochdruck in der Schwangerschaft
Etwa 6–8 % aller Schwangerschaften sind von Bluthochdruck betroffen. Dieser kann bereits vor der Schwangerschaft bestehen oder sich erstmals während der Schwangerschaft entwickeln (Schwangerschaftshypertonie). Besonders gefährlich ist die Präeklampsie, bei der zusätzlich Eiweiß im Urin auftritt. Werte über 170/110 mmHg gelten in der Schwangerschaft als Notfall und erfordern eine stationäre Aufnahme.
Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen
Auch bei Kindern kommt Bluthochdruck vor, wenn auch seltener (etwa 2 % der Altersgruppe). Bei jungen Menschen liegt häufiger eine sekundäre Ursache vor, etwa eine Nierenerkrankung. Übergewicht und Bewegungsmangel spielen aber auch hier eine zunehmende Rolle.