Blutdruck-Klassifikation im Überblick
Der Blutdruck wird in mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) angegeben und besteht aus zwei Werten: dem systolischen (oberen) und dem diastolischen (unteren) Wert. Die Klassifikation erfolgt nach den aktuellen europäischen Leitlinien:
| Kategorie | Systolisch | Diastolisch | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Optimal | < 120 mmHg | < 80 mmHg | Ideal |
| Normal | 120 – 129 mmHg | 80 – 84 mmHg | In Ordnung |
| Hochnormal | 130 – 139 mmHg | 85 – 89 mmHg | Beobachten |
| Hypertonie Grad 1 | 140 – 159 mmHg | 90 – 99 mmHg | Behandlung nötig |
| Hypertonie Grad 2 | 160 – 179 mmHg | 100 – 109 mmHg | Behandlung dringend |
| Hypertonie Grad 3 | ≥ 180 mmHg | ≥ 110 mmHg | Notfall! |
Liegt der systolische und der diastolische Wert in unterschiedlichen Kategorien, gilt die höhere Kategorie. Beispiel: Ein Wert von 150/85 mmHg wird als Hypertonie Grad 1 eingestuft, obwohl der diastolische Wert noch im hochnormalen Bereich liegt.
✓ Therapieziele
Das Ziel der Behandlung ist bei den meisten Patienten ein Blutdruck unter 130/80 mmHg. Bei guter Verträglichkeit werden bei Personen unter 65 Jahren systolische Werte von 120–129 mmHg angestrebt. Wird der Zielwert nicht vertragen (z. B. Schwindel), darf er nicht unter 110 mmHg sinken.
Blutdruck nach Alter — Orientierungswerte
Der Blutdruck verändert sich im Laufe des Lebens. Während bei jüngeren Erwachsenen häufig optimale Werte gemessen werden, steigt der systolische Wert mit zunehmendem Alter tendenziell an — vor allem, weil die Gefäße an Elastizität verlieren. Die folgende Tabelle zeigt typische Durchschnittswerte nach Altersgruppe. Beachten Sie: Individuelle Unterschiede sind normal, und auch bei älteren Menschen sind Werte unter 140/90 mmHg das Behandlungsziel.
| Alter | Frauen (Durchschnitt) | Männer (Durchschnitt) |
|---|---|---|
| 20 – 29 Jahre | ~119/75 mmHg | ~124/78 mmHg |
| 30 – 39 Jahre | ~122/78 mmHg | ~126/80 mmHg |
| 40 – 49 Jahre | ~127/80 mmHg | ~130/82 mmHg |
| 50 – 59 Jahre | ~133/82 mmHg | ~135/83 mmHg |
| 60 – 69 Jahre | ~139/83 mmHg | ~140/82 mmHg |
| 70+ Jahre | ~144/80 mmHg | ~145/79 mmHg |
Die Werte sind Richtwerte — entscheidend ist immer die individuelle Beurteilung durch Ihren Arzt unter Berücksichtigung von Begleiterkrankungen und persönlichem Risikoprofil.
Systolisch vs. diastolisch — was ist wichtiger?
Beide Werte sind wichtig, aber ihre Bedeutung unterscheidet sich je nach Alter. Bei jüngeren Erwachsenen (unter 50 Jahren) ist ein erhöhter diastolischer Wert häufiger klinisch relevant, da er auf einen erhöhten Gefäßwiderstand hinweist. Bei älteren Menschen (ab 60 Jahren) ist vor allem der systolische Wert entscheidend — ein isoliert erhöhter systolischer Blutdruck (bei normalem diastolischen Wert) erhöht das Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko deutlich.
Praxismessung vs. Selbstmessung — unterschiedliche Grenzwerte
Die Messbedingungen beeinflussen die Ergebnisse. Deshalb gelten je nach Messmethode unterschiedliche Grenzwerte für die Diagnose einer Hypertonie:
| Messmethode | Grenzwert für Hypertonie |
|---|---|
| Messung in der Arztpraxis | ≥ 140/90 mmHg |
| Selbstmessung zu Hause | ≥ 135/85 mmHg |
| 24-Stunden-Messung (Tagesmittel) | ≥ 135/85 mmHg |
| 24-Stunden-Messung (Nachtmittel) | ≥ 120/70 mmHg |
Der Weißkittel-Effekt
Viele Menschen messen beim Arzt höhere Werte als zu Hause — allein durch die Aufregung in der Praxis. Wenn der systolische Wert beim Arzt um 20 mmHg und der diastolische um 10 mmHg höher ausfällt als bei korrekten Messungen zu Hause, spricht man vom Weißkittel-Effekt. Eine 24-Stunden-Langzeitmessung oder regelmäßige Selbstmessungen helfen, die tatsächlichen Werte zuverlässig einzuschätzen.
ℹ Tipp: Richtig messen für zuverlässige Werte
Die korrekte Messtechnik ist entscheidend für aussagekräftige Ergebnisse. Fehler beim Messen können die Werte um 10–30 mmHg verfälschen. Schritt-für-Schritt-Anleitung: Blutdruck richtig messen →